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27/28/29.11.14 - Stadthalle Köln Mühlheim

HOSTED BY DAVE DOUGHMAN WEEK-END auf facebook



DONNERSTAG/THURSDAY 27.11.2014
(Einlass 19:00h)

TEENAGE FANCLUB
THE CLIENTELE
AMEN DUNES
NICHOLAS KROGOVICH



FREITAG/FRIDAY. 28.11.2014
(Einlass 19:00h)

ESG
KATE TEMPEST
MDOU MOCTAR
JAAKKO EINO KALEVI
NITE JEWEL
+ VERY SPECIAL ARTIST (TBC)



SAMSTAG/SATURDAY 29.11.
(Einlass 18:00h)

A CERTAIN RATIO
OWEN PALLETT
SINKANE
VON SPAR & MARKER STARLING (vorm. MANTLER)
PIERRE BASTIEN
ANDREW SAVAGE/AUSTIN BROWN (PARQUET COURTS)



ESG

ESG

Die Biografie von ESG ist eine Familiengeschichte, und sie zählt zu den Storys, die in den Pop-Almanachen nicht auf den vordersten Seiten zu finden sind. Egal, ob von Punk, Postpunk, frühem HipHop oder House die Rede ist, ESG gehörten lange zur fast vergessenen Avantgarde. Die New Yorker South Bronx brachte Ende der 1970er Jahre Rapmusik und HipHop-Kultur hervor, Anfang der 1980er war sie ein künstlerischer Melting Pot, in dem ausgewählte Punk- und zahlreiche Disco-Nummern als Rückkopplungen vibrierten. Die Scroggins-Schwestern Renee, Valerie, Deborah und Marie bildeten zu dieser Zeit gemeinsam mit dem befreundeten Tito Libran die Ur-Formation von ESG. Aus heutiger Sicht waren ihre perkcussiven, basslastigen, polyphonen Tracks eine Sensation, die Eighties-Welt war leider noch nicht bereit dafür. Trüffelschweine wie Factory Records -Urgestein und „Unknown Pleasures“-Produzent Martin Hannett ahnten zwar das Potenzial, so erschien die erste Single tatsächlich bei Factory, und das Debütalbum „Come Away With ESG“ kam 1983 auf dem legendären 99 Records Label heraus, das noch einige weitere No Wave- und Mutant Disco-Perlen im Back-Katalog führt. Doch kurz darauf war sowohl für die Band als auch für 99 Records Schluss. ESG wurden oft gesamplet. Anfang der 1990er kehrten sie in neuem Line-Up und mit der EP „Sample Credits Don`t Pay Our Bills“ zurück. Ihre frühen Platten wurden re-released, auf dem WEEK-END werden sie das erste Mal seit 2006 wieder in Deutschland spielen.

@ WEEK-END #4 –– Freitag, 28. November 2014

A Certain Ratio


A Certain Ratio


Das Werk von A Certain Ratio stellt eine Art Epizentrum des diesjährigen WEEK-END- Fests dar. Die Tatsache, dass A Certain Ratio in ihren Bandnamen den Song „The True Wheel“ von Brian Enos Album „Taking Tiger Mountain (By Strategy)“ zitieren, diente als Inspiration dafür, zehn Acts aus dem WEEK-END- Line-Up 2014 um je eine Coverversion eines Songs des Eno-Klassikers zu bitten. Gegründet wurde A Certain Ratio 1977 in Manchester, erste Aufnahmen klangen betörend und finster, unnahbar und tanzbar. So als würden sie in einem dunklen Keller Disco spielen. In Michael Winterbottoms Spielfilm „24 Hour Party People“ sagt der fiktionale Tony Wilson, der im echten Leben auch Manager von A Certain Ratio war, leicht süffisant über seine Schützlinge: „Sie haben die gleiche Energie, aber die besseren Klamotten als Joy Division“. Ähnlich wie Gang Of Four aus Leeds, erweiterten sie ihren geradlinigen Punk-Ansatz um einen holzbeinigen Groove, gingen jedoch nicht mit Polit-Parolen hausieren. Im Nachhinein dürften sie sich der New Yorker No Wave-Szene verbundener fühlen als Bands von der Insel. Ihr anfänglich offenes und experimentelles Verhältnis zu Jazz und Funk erinnerte aber durchaus an The Pop Group, der holprige Funk an frühe Riot Grrrls wie The Slits - oder eben an die amerikanischen Y Pants. Mit Martin Moscrop und Jez Kerr sind noch zwei Originalmitglieder der visionären Band dabei, die bei allem düsteren Nihilismus Factory Records auf den Dancefloor brachte.

@ WEEK-END #4 –– Samstag, 29. November 2014

teenage-fanclub

Teenage Fanclub

Do. 27. Nov. 2014
23:45 Uhr / Saal

»Die zweitbeste Band der Welt« nannte Punica-Oasis Begründer Liam Gallagher die Glasgower Teenage Fanclub einmal. Man sollte nur das jüngste Album aus dem Jahr 2010 auflegen, um sich darüber zu wundern, warum Norman Blake, Raymond McGinley und Gerard Love nie regelmäßige höhere Chartplatzierungen gelangen. Ihr Spätwerk „Shadows“ ist ein sommerwindfeines Folk-Update, das immer noch davon zeugt, dass die „"Fannies“ von amerikanischen Westcoast-Bands wie den Byrds und insbesondere von Big Star inspiriert wurden. Das zweite Teenage Fanclub-Album „Bandwagonesque“ (1991) taucht heute in allen Bestenlisten auf, unter anderem laut NME als eines der 100 besten britischen Alben aller Zeiten. Wir sind sehr glücklich, dass sie trotz ihrer aktuellen Studioarbeit am neuen Album, welches im Frühjahr 2015 herauskommen soll, eines ihrer sehr raren Konzerte beim WEEK-END geben . Wer tiefer ins Werk eintauchen möchte, dem empfehlen sich aktuelle Nebenprojekte wie Lightships oder The New Mendicants. Oder einfach noch mal The Pastels auschecken. Bei unseren letztjährigen Gästen waren sowohl Gerard Love als auch Normal Blake einst mit involviert. Außerdem hat es Kurt Cobain übrigens schon immer besser gewusst als Liam Gallagher. Er war nicht verärgert, dass ihr Album 1991 im Spin Magazine-Poll auf Platz 1 vor Nirvanas „Nevermind“ und R.E.M.s „Out of Time“ landete. Für ihn waren Teenage Fanclub eh „the best band in the world“.

@ WEEK-END #4 –– Donnerstag, 27. November 2014

owen-pallett

Owen Pallett


Sa. 28. Nov. 2014
22:15 Uhr / Saal

Owen Pallett als einen Wunderknaben zu bezeichnen, wäre beinahe untertrieben. Der 1979 geborene Kanadier scheint einem Märchenbuch entsprungen, in dem Menschen ihre Einstellung zum Leben und ihre Haltung zur Welt, ihre sexuellen Überzeugungen und ihre Wünsche für die Zukunft in reine Musik übersetzen können. Pallett tat dies zunächst unter dem Namen Final Fantasy, den er später ablegte, um Konfrontationen mit dem Vertrieb des gleichnamigen Videospiels aus dem Weg zu gehen. Was blieb, war sein Talent, sich allein mit seiner Stimme und einer Violine, einer Loop Station und der ihm eigenen Aura in ein Orchester zu verwandeln. Seit 2005 veröffentlichte Owen Pallett vier Alben, die ersten beiden auf dem Kölner Label Tomlab. Über das aktuelle Album und die Kooperation mit Brain Eno schrieb Byte Fm: „„In Conflict“ entsteht mit Unterstützung des tschechischen Filmharmonic Orchestra und der Musiklegende Brian Eno, der unter anderem Synthies, Gitarren und seine Stimme zum Projekt beiträgt. „The Riverbed“ ist einer dieser Songs, denen Eno eine ganz besondere Atmosphäre einhaucht: Dramatisch-hektisch streichende Geigen über einem opulenten Drum-Beat bilden das Gerüst für diesen kraftvollen Song. An Abwechslung mangelt es keineswegs: So bildet beispielsweise „The Passions“ einen schwermütig-minimalistischen Sixties-Traum mit einem wunderschönen Streicher-Nachspiel.“
Mit seinen Freunden von Arcade Fire, für die er seit Jahren Arrangements schreibt, hat Pallett zuletzt auch den Score zu Spike Jonzes Science-Fiction-Film „Her“ komponiert - und wurde für einen Oscar nominiert. Sorry Owen, für uns ist es noch spannender, wie die Songs des neuen Albums „In Conflict“ in Köln klingen werden. Noch mal Glückwunsch zum frischen Hollywood-Fame und willkommen Zuhause!


@ WEEK-END #4 –– Samstag, 29. November 2014

the-clientele

The Clientele

Do. 27. Nov. 2014
22:15 Uhr / Saal


Die Band, die so klang, als wollte Daniel Treacy neben den Televiison Personalities eine weitere Gruppe gründen, nämlich eine Formation, die noch mehr wunderschöne Lieder mit noch weniger Erfolg als TVP veröffentlichte, hieß bekanntlich Galaxie 500. Dean Wareham schrieb Anfang der 1990er Jahre die wahrhaftigsten Slowcore-Songs, seit Lou Reed sich bei den Aufnahmen zur dritten VU-Platte auf der Toilette einsperrte. Alasdair MacLean und James Hornsey ließen sich in ihrer Garage in Hampshire im Süden Englands von diesem Geist inspirieren, damit stehen sie auch in der Tradition von Bands wie Teenage Fanclub, Felt und The Pastels. Ende der 1990er Jahre nahmen sie einige Singles zum Dahinschmelzen auf, die nicht mit Postcard- und 1960er-Psychedelic-Anleihen geizten. Bevor sie beim US-Label Merge landeten, brachte Fierce Panda Records ihr Debüt „Suburban Lights“ heraus. Seitdem ließen The Clientele fünf weitere Alben folgen, auf denen sie zu einem Sound fanden, den auch Morrissey oder Donovan beim Teetrinken genießen dürften. In dem Film „Das Haus am See“ mit Keanu Reeves und Sandra Bullock ist ihr Stück „I Can`t Seem To Make You Mine“ (Arrangements von Louis Philippe) der Titelsong. 2010 erschien das bis dato letzte Juwel, „Minotaur“, mit Dreampowerpopfolk, der im Winter die Seele streichelt und im Sommer die nackten Füße kitzelt.

@ WEEK-END #4 –– Donnerstag, 27. November 2014

jaakko-eino-kalevi

Jaakko Eino Kalevi


Fr. 28. Nov. 2014
20:00 Uhr / Saal

Die finnische Musikszene hat mehr zu bieten als Lordi oder die Leningrad Cowboys. Vom luftigen Pop der schwedischen Nachbarn grenzt sich der Sound der Finnen aber weiter ab, so wie sich auch ihre Sprache vom restlichen skandinavischen Zungenschlag deutlich unterscheidet. Jaakko Eino Kalevi ist der nächste Star aus dem Weirdo-Paradies im Norden, der die Eigenartigkeit des zauberhaften, von östlichen Einflüssen durchdrungenen Landes in eine unverwechselbare Kunstfigur übersetzt. Als Fabelwesen zwischen Waldschrat und softem Indie-Boy surft er lässig auf sanften Synthesizerwellen und zaubert Refrains aus dem Hut wie der Magier weiße Hasen. Mit seinem kindlich-schlauen Discopopfunk bringt er nicht nur die Fußstapfen des großen Landsmanns Jimi Tenor zum Tanzen. Jaakko mag Chris Rea und Lee Scratch Perry, sagt er, und man wird beim Hören seiner EPs, Remixe und Alben, wie etwa „Modern Life“ (2010), das Gefühl nicht los, er würde sich gerne im Equipment-Park der späten MGMT austoben und mit den Jungs eine House-Party veranstalten. In Jaakko Eino Kalevis teils minimalistischen, aber immer groovenden Songs finden Dada und NDW wieder zusammen. Ob die Zeile „You don`t have to say that you love me/just show how flexible you are“ eine Liebesbeziehung oder ein Arbeitsverhältnis beschreibt? Keine Ahnung. Fest steht nur, dass sie genial ist.

@ WEEK-END #4 –– Freitag, 28. November 2014

mdou-moctar

Mdou Moctar


Zwischen Algerien und Libyen, Mali und Burkina Faso sowie Tschad, Nigeria und Benin liegt der größte westafrikanische Staat Niger. Neben dem namensgebenden Fluss, nimmt die Sahara-Wüste einen großen Teil der Fläche des Landes in Anspruch. Aus der von Dürren und Hungersnöten geplagten ehemaligen französischen Kolonie stammt Mdou Moctar. Er gehört den zu den Tuareg, durch die Wüste ziehenden Nomaden, die in verschiedenen Staaten Afrikas verteilt leben, auch als politische Kraft aktiv sind und seit geraumer Zeit jenseits des Kontinents für elektrisch verstärkte, sowohl meditative als auch verdammt tanzbare Musik bekannt sind. An der Spitze der Entwicklung stehen Tinariwen, die auch in diesem Jahr wieder weltweit auf Festivals unterwegs waren. Tuareg-Songwriter Mdou Moctar erlangte Popularität als Hochzeitsmusiker in Tchintabaraden, über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus wurde er in der Sahelzone bekannt, als für Mobiltelefon-Netzwerke produzierte Songs die Runde machten. Bei den frühen Stücken nutzte Mdou Moctar Autotunes, um die Vocals zu verfremden, für jüngere Aufnahmen verzichtete er darauf. Mit der Veröffentlichung von „Music from Saharan Cellphones: Volume 1“ durch Sahel Sound erreichte seine Kunst die USA und Europa.

@ WEEK-END #4 –– Freitag, 28. November 2014

von-spar-marker-starling

Von Spar & Marker Starling

Die Liste der Künstler, mit denen das Kölner Quartett Von Spar in den letzten Jahren in verschiedenen Konstellationen zusammen gearbeitet hat, könnte einem Guide für das Universum des WEEK-END- Fests entstammen. Owen Pallett, Scout Niblett und The Field gehören dazu. 2012 standen Von Spar gemeinsam mit Stephen Malkmus auf der Bühne, um eine Interpretation des Can-Albums Ege Bamyasi aufzuführen. Nicht nur die anwesenden Mitglieder der Krautrock-Pioniere waren fasziniert von der Show, die als phantastisches Live-Album konserviert wurde. Im Oktober 2014 erscheint das erste Von Spar-Studio-Werk nach vier Jahren, „Streetlife“. Wie nicht mehr seit der Trennung von Bandmitbegründer Thomas Mahmoud, sind darauf wieder Vocals zu hören. Unter anderem singt Chris Cummings aka Marker Starling, früher als Mantler bekannt, auf mehreren der perfekt produzierten, und mit einer Mühelosigkeit vorgaukelnden Virtuosität eingespielten Space-Pop-Hymnen, die schon nach einmaligem Hören zum Klassiker werden. Eleganter Pop mit Würde, zwischen krautigem Ambient, gelassenen Balladen, und deepen House-Nummern. Marker Starlings Mitwirkung führte zur nächsten wunderbaren Idee: Da er just sein Debüt unter neuem Namen herausbringt, werden Sebastian Blume, Philipp Janzen, Phillip Tielsch und Christopher Marquez seine Songs begleiten, während er den Von Spar-Songs seine Gentleman-Stimme leiht.


@ WEEK-END #4 –– Samstag, 29. November 2014

kate-tempest

Kate Tempest


„Everybody Down“ von Kate Tempest ist jetzt schon der Roman des Jahres. Niemand erzählt momentan Geschichten in einer ähnlichen Taktung und Intensität wie die 27-jährige aus der englischen Arbeiterklasse. Dan Carey, unter anderem Produzent von Lily Allen, Kylie Minoguie, Bat For Lashes und Franz Ferdinand, sorgt auf dem Album für Beats, die aus den - im Stile Mike Skinners mehr gesprochenen als gerappten - Sozialstudien Arschtritte für Konformisten machen. Die zwölf12 Episoden im Leben der Hauptfigur Becky werden zu Fäuste schwingenden Tracks ohne erhobenen Zeigefinger. Kate Tempest stand schon als 16-jährige auf Open-Mic-Bühnen. In ihren Spoken Word Performances unterschied sie sich von anderen Poetry Slammern und Rappern. Tempest suchte weder den Battle, noch suhlte sie sich in Befindlichkeiten. Mit Shakespeare-hafter Konsequenz ließ sie Charaktere miteinander und mit den Verhältnissen in Beziehung treten. Im Opener des aktuellen Meisterwerks, dem Song „Lonely Daze“, tut sie dies mit für sie typischer Sprachgewalt: „Becky is a young woman heart full of earth/ Eyes full of morning spent without sleeping/ Grew up in a city where it's hard to be heard/ And nothing really has much meaning.“ Der Leere eine Bedeutung abzutrotzen, hat Tempest nicht nur im harten Süden Londons gelernt, wo sie aufwuchs. Sie besuchte die Brit School Of Performing Art and Technology, neben ihrer Musikkarriere ist sie heute gefeierte Theaterautorin.

@ WEEK-END #4 –– Freitag, 28. November 2014

pierre-bastien

Pierre Bastien

Der 1953 geborene Franzose hat einen ganz besonderen Zugang zu Musik. Er baut nicht nur Instrumente, sondern bastelt auch gleich die „Musiker“ dazu. In den 1970er Jahren komponierte Bastien Musik für Tanzperformances, Mitte der 1980er gründete er sein erstes eigenes Orchester, Mecanium, für das er aus Maccano-Baukästen Maschinen konzipierte, die, von Plattenspielern angetrieben, selbständig Lauten, Trommeln und Xylophone bedienten, meist exotische Varianten aus aller Welt. Auf dem WEEK-END wird Pierre Bastien ein Konzert geben und zusätzlich über den ganzen Festivalzeitraum eine Klanginstallation zeigen, wobei die Übergänge zwischen Live-Auftritt und Ausstellung in seinem Fall fließend erscheinen, denn Bastien baut weiterhin Instrumente, die installativ funktionieren. Und mit dem „Paper Orchestra“ hat Bastien jüngst eine neue Formation ins Leben gerufen. Ein automatisches Orchester, das den Geräusche von Papier gewidmet ist, seinem Rascheln, Knistern und Tanzen im Wind. Sechs Papiertrommeln, darunter irische, marokkanische und indianische Instrumente, werden mit einem Stück Papier beklebt. Sechs Ventilatoren erzeugen Wind und lassen diese aufgeklebten Fetzen flattern. Dazu bearbeiten Papierschlangen ein Holzbrett, Papierschnipsel sorgen für leise Klickgeräusche. Ein polyrhythmisches Erlebnis, dass er im Talk mit Till Kniola am Samstagnachmittag weiter ausführen wird.

@ WEEK-END #4 –– Samstag, 29. November 2014

nicholas-krgovich

Nicholas Krgovich


In Köln muss man niemandem erklären, wie man Nick Krgovichs Nachnamen ausspricht. Das Debütalbum seiner Band No Kids, „Come Into My House“, erschien 2008 auf dem hiesigen Label Tomlab, seine eigenes Solodebüt stellte Krgovich 2011 mit einer sweeten Performance in der Klubbar King Georg vor - als Freund des Hauses eine Selbstverständlichkeit. No Kids und Krgovich schenkten uns Synthie-Hommagen an Liebe, Melancholie und Soul irgendwo zwischen Sade, George Michael und Prefab Sprout. Kammerpop für Leute, die gerne auf Wolken tanzen, von Streichern, Bläsern und Paukenschlägen unter die Haut injizierte wunderschöne Oberflächen-Neoromantik. Krgovich stammt aus Vancouver, sein neues Solo-Album aber ist Los Angeles gewidmet. Produziert wurde es von John Collins (Destroyer, New Pornographers). Den Titel „On Sunset“ darf man also in doppelter Hinsicht buchstäblich verstehen, die Single „Along The PCH On Oscar Night“ steckt den Raum zwischen Sonnenuntergang am Strand und Starrummel von Hollywood auf feinsinnige Art ab. Unter Krgovichs Kreidestimme perlt das Piano, wie die Wellen unter dem Mondlicht schäumen. Wenn New Wave-Ikone David Sylvian eine Spur extrovertierter und souliger sänge, würde er auch so klingen.

@ WEEK-END #4 –– Freitag, 28. November 2014

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Nite Jewel


Die 1980er Jahre hatten einen besonderen, kühlen Soul. Ramona Gonzalez huldigt als Nite Jewel seit sechs Jahren diesem essenziellen Eighties-Spirit, der unter retromanischen Erinnerungen an Schweißbänder, Neonfarben und hochtoupierte Strähnchenfrisuren verloren zu gehen droht. Unter anderen zählt sie Janet Jackson zu ihren Heldinnen. Mit dem Album „One Second Of Love“ und der gleichnamigen Single gelang Nite Jewel 2012 der Durchbruch auf die Tänzflächen und auf die Bühnen der großen Festivals. Bereits zwei Jahre zuvor entwischte ihre Musik dem stillen Kämmerlein, als Regisseur Noah Baumbach den Song „Suburbia“ für den Soundtrack zum Film „Greenberg“ mit Ben Stiller in der Hauptrolle auswählte. Ramona Gonzalez begann mit Home Recording-Sessions, die sie via MySpace verbreitete. Sie weiß nicht nur, wie man DIY buchstabiert, sondern ist studierte Philosophin und bringt die großen Seinsfragen nun mit kleinen, mal innerlich gespenstischen, mal geisterhaft pathetischen, aber immer recht coolen Song-Miniaturen auf den Punkt. Ihre 2010er EP trug den vielsagenden Titel „Am I Real?“ Die Existenz von Nite Jewel kreist um Gonzalez' ätherischen Gesang, darum herum ordnen sich die analogen Synth-Pop-Elemente zu einem latent düsteren Universum. So auch in ihrem „Hounds Of Love“Cover, das sie für eine Kate-Bush-Tribute-CD des Mojo Magazins aufnahm. Für ihren einzigen Auftritt in Europa seit 2012 präsentiert Nite Jewel zum ersten Mal ein komplett neues Set an Songs, welche 2015 auf einem neuen Album erscheinen werden. Produziert wurde das Album von Cole M. Greif-Neill (u.A. Beck). Wir sind sehr gespannt!


@ WEEK-END #4 –– Samstag, 29. November 2014

@ WEEK-END #4 –– Freitag, 28. November 2014

andrew-savage-austin-brown

Andrew Savage & Austin Brown
(of Parquet Courts)

Vor zwei Jahren traten Parquet Courts mit ihrem Album „Light Up Gold“ einen Streit unter den bald recht zahlreichen Fans los. Aus welchen Gründen musste man sich in ihren Rodeo-Punk verlieben? Weil er viele an eine Mischung aus Television und Richard Hell & The Voodoids erinnerte, oder weil sie klangen wie eine Neuerfindung von The Dead Milkmen? Oder doch eher, weil die aus Texas stammenden und in Brooklyn lebenden Parquet Courts bei allen nervösen und zugleich coolen Anleihen und Reverenzen an die Geschichte von Punk, Postpunk und Alternative ganz anders klangen als alle anderen Bands in diesem Haifischbecken? Das letzte Album „Sunbathing Animal“ hat die Debatte noch mal ordentlich befeuert. Andrew Savage ist nebenbei ein Teil von Fergus & Geronimo. Gemeinsam mit Kollege Austin Brown kommt Savage exklusiv für das Brian Eno „Taking Tiger Mountain“-Special zum WEEK-END.

@ WEEK-END #4 –– Freitag, 28. November 2014

sinkane

Sinkane


Ahmed Gallab führt mit Sinkane das große Coming-Out des Afrobeat in der westlichen Pop-Musik weiter, das Brian Eno schon in den 1970er Jahren voraus gesagt – und durch die Kooperation mit David Byrne auf „My Life In The Bush Of Ghosts“ 1981 zum ersten Mal in full effect skizziert hatte. In Gallabs Sound sind die Übergänge fließend, bewusste Referenzen und komische Missverständnisse greifen ineinander. So rührt der Bandname von einem falsch aufgeschnappten Kanye West-Text her, der Titel des zweiten Sinkane-Albums „Mars“ überführte dagegen mit voller Absicht Sun Ras Konzept des Afrofuturismus ins Zeitalter von Vernetzung und Global Village. Ahmed Gallab ist jedoch kein haltloser Utopist, eher ein nomadischer Realist, der auf eine Menge Erfahrungen in der New Yorker Musikszene verweisen kann. So war er eine ganze Weile Session-Musiker in diversen prominenten Bands, spielte Drums für Of Montreal und Keyboards bei Yeasayer. Seit knapp zehn Jahren steckt er nebenher seine ganze Energie in Sinkane. Wie seine sudanesischen Wurzeln und das Faible für afrikanische Polyrhythmik sowie die Liebe zum amerikanischen Jazz und der DFA-Appeal auf dem dritten Album „Mean Love“ verschmelzen, wird Gallab uns da zeigen, wo er am liebsten steht: auf der Bühne.

@ WEEK-END #4 –– Samstag, 29. November 2014