Vor zwei Jahren lösten sich Blumfeld auf, die mit Jochen Distelmeyer als Kopf, Sänger und Gitarrist deutsche Musikgeschichte geschrieben haben. Blumfeld prägten eine ganze Generation von Bands und Künstlern. Als 1992 „Ich-Maschine“ erschien, feierte die Musikpresse Distelmeyer und Blumfeld als Begründer einer neuen Bewegung. Die Band hatte eine völlig neue Sprache und einen einzigartigen Sound kreiert.
„L´Etat et Moi“ sorgte 1994 auch international für Furore mit ausverkauften Shows in England und USA. Der Song „Verstärker“ schaffte es bis in die amerikanischen Collage Radio Charts.
1999 folgte „Old Nobody“, mit dem es Blumfeld erstmals in die Top 20 der deutschen Albumcharts schafften. Der Song „Tausend Tränen Tief“ (man erinnere sich an das legendäre Video incl. Helmut Berger) findet sich noch heute in den Listen der besten deutschen Popsongs ever. Mit „Testament der Angst“ von 2001 gelang der Sprung in die Top 10 der Albumcharts. So auch zwei Jahre später dem fünften Album der Band, „Jenseits von Jedem“.
Blumfeld-Fans bekannten sich zu einer Idee von Musik, die nicht nur konsumierbar und unterhaltend war, sondern auch die eigenen Lebensverhältnisse reflektierte.
Als sich Blumfeld nach ihrem stark diskutierten Album „Verbotene Früchte“ im Jahr 2007 auflösten, saß der Schock über den Verlust tief. Der Schritt war jedoch konsequent. Schließlich hatte sich von „Ich-Maschine „bis „Verbotene Früchte“ ein Kreis geschlossen und Distelmeyer war jetzt bereit, neue Wege zu gehen.
Mit seinem ersten Soloalbum „Heavy“ (2009) schlug Distelmeyer ein neues Kapitel seines künstlerischen Schaffens auf und präsentierte sich einmal mehr als Songwriter mit großem Popgefühl und unvergleichlicher Präzision. In Rocksongs wie „Wohin mit dem Hass?“, „Hinter der Musik“ oder „Hiob“ nimmt er uns an die Hand und gibt uns zu verstehen, dass wir gemeint sind. In Popsongs von internationalem Format wie „Bleiben oder gehen“, „Jenfeld Mädchen“ oder „Nur mit dir“ zeigt Distelmeyer seine Gabe, große berührende Lovesongs zu schreiben wie sonst hierzulande niemand.
Jochen Distelmeyer »Pro Familia«, Postbahnhof, Berlin 2009
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